Ep. 9 - Zwischen Liebe und Schmerz
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00:00:00: Episode neun des Podcasts von Red Hood Chili-Yup heute ohne Jingle zum Beginn, schlicht mit der Frage beginnend.
00:00:10: Zwischen Liebe und Schmerz hat Trauer auch einen lebendigen Kern?
00:00:16: Heute ist er einundzwanzig.
00:00:17: die Juni zwotausendsechsundzwannzig – Der Tour des Tag meines Bruders jährt sich zum Zweiunddreißigsten
00:00:23: Mal!
00:00:25: Ich bin alt und habe noch meinen Bruder vor Augen in der Mitte seines Lebens.
00:00:30: Heute beginne ich meine Trauerrede mit einem Lied.
00:00:34: Ich möchte zeigen, wie die Auseinandersetzung mit dem Verlust eines geliebten Menschen diese entsetzliche Lücke in unserer Familie reist und zwingt uns mit dieser Lücke zu leben und gleichzeitig Wege zu finden, die gleichermaßen mit Erinnerungen gesäumt sind und die eben geeignet sind und waren den Aufbruch in eine unbestimmte Zukunft zu
00:00:59: ermöglichen.".
00:01:46: und alles in mir schreibt im
00:01:51: flieh ulzel breit wenn mein herz voll lauter freude war der
00:02:08: unterschiede danze
00:02:10: fließen und fantasien über alle ziele schießen mich erheitern und alle blicke horizonter weitern wenn klein mut meinen großmut weckt Meine Seele wärmt und mein Selbstinliebe sich erseuft.
00:03:19: Voll lauter Wohlsein nur noch schwärmt, bis die Tage winken, Brüheer sich mit Herbs
00:03:27: vermischt.
00:03:29: Hoffnung und Erfüllung
00:03:31: in einander
00:03:32: sinken, der Unterschied sich dann verwischt, untersinken und letzter Unterschied sich verwischt!
00:03:48: Bänzen die Inseits bleiben und geheim für alle, vor Gräbern und
00:04:20: Vergrenzen.
00:04:48: Gewiss bin ich kein Nietzsche-Kenner und erst recht keine Epigone, aber er bringt auf unvergleichliche Weise auf den Punkt worum es hier möglicherweise geht.
00:05:00: In vom Nutzen und Nachteil der Historie heißt es im ersten Abschnitt Hut, verdaut springt wieder und so vom Morgen bis zur Nacht und von Tage zu Tage kurz angebunden mit ihrer Lust und Unlust nämlich an den Pflok des Augenblicks.
00:05:31: Bevor er nun der Neid der Menschen benennt stellt er uns in den Blätterregen unsere
00:05:38: Geschichte.".
00:05:41: Zitat Fortwährend löst sich ein Blatt aus der Rolle der Zeit, fällt heraus, flattert fort und flattert plötzlich wieder zurück dem Menschen in den Schoß.
00:05:53: Dann sagt der Mensch – ich erinnere mich!
00:05:57: Und beneidet das Tier welches sofort vergisst und jeden Augenblick wirklich sterben, in Nebel-und Nacht zurücksinken und auf immer völlöschen
00:06:08: sieht.".
00:06:10: Und Nietzsche schildert im Fortgang jene Tragik, von der wir Überlebenden hoffen ihr entgehen zu können.
00:06:18: Zuvor stellt Nietzche aber einen Gedanken in den Raum, der uns das ganze damit aufgeworfenen Dilemma vor Augen führt wenn er nämlich meint – Zitat Es gibt einen Grad von Schlaflosigkeit, von Wiederkäuen und historischem Sinne bei dem das lebendige zu schaden kommt.
00:06:40: Und zuletzt zugundegeht sei es nun ein Mensch oder ein Volk oder eine Kultur.
00:06:46: um diesen Grad und durch ihn dann die Grenze zu bestimmen an der das Vergangene vergessen werden muss wenn es nicht zum Totengräbe des Gegenwärtiges werden soll müsste man genau wissen Wie groß die plastische Kraft eines Menschen, eines Volkes einer Kultur ist.
00:07:06: Ich meine jene Kraft aus sich heraus eigenartig zu wachsen Vergangenes und Fremdes umzubilden Und einzuverleiben Wunden auszuheilen Verlorenes zu ersetzen Zerbrochene Formen Aus Sich heraus nachzuformen trag ich mag es erscheinen, wenn genau dies nicht gelingt.
00:07:30: Denn so Nietzsche es gebe Menschen die diese Kraft so wenig besitzen dass sie an einem einzigen Erlebnis, an einem einzige Schmerz oft zumal einen einzigen zarten Unrecht wie in einem ganz kleinen blutigen Risse unheilbar verbluten.
00:07:50: Soweit ich es sehen und beurteilen kann, gibt es in unserer Familie keinen Bluter dieser Art dieses Gewiss zu begrüßen.
00:07:59: Zumal es nicht auf der anderen Seite dazu geführt hat dass wie Nietzsche den Bogen aufs Extremste spannend irrigend jemand zu jener Gruppe von Menschen
00:08:10: gehört."
00:08:12: denen die wildesten und schauerlichsten Lebensunfälle und selbst Taten der eigenen Boßheit so wenig anhaben, dass sie es mitten darin oder kurz darauf zu einem leidlichen Wohlbefinden und zu einer Art ruhigen Gewissens bringen.
00:08:30: Und ganz im Gegenteil ist gewiss allen, die den Unfalltod von Willi wie eine tiefe Wunde mit sich tragen, Nietzsche's Schlussfolgerung als Haltung zu
00:08:40: wünschen.".
00:08:42: Je stärkere Wurzeln die innerste Natur eines Menschen hat, umso mehr wird er auch von der Vergangenheit sich aneignen oder anzwingen.
00:08:58: Alles Vergangene Eigenes und Fremdes des würde sie an sich heran in sich hineinziehen und gleichsam zu Blute
00:09:08: umschaffen.".
00:09:09: Wir formulieren es heute mit deutlich weniger Pathos und begrifflich sehr viel Nüchternah.
00:09:15: Jemand gelingt es je auf seine Weise, mit dem unausweichlichen zu leben eine Assimilisations- und Integrationsleistung zu erbringen die ihm gleichermaßen lebendige Erinnerungen wie heilsames Vergessen ermöglicht.
00:09:31: In meiner Erinnerung aus dem letzten Jahr habe ich es für mich mit den folgenden Worten auf den Punkt zu bringen versucht Im Schmerz und in der Wude.
00:09:41: über deinen sinnlosen, vermeidbaren und fahrlässig herbeigeführten Tod habe ich nicht hören.
00:09:47: Und es recht nicht verstehen können als du uns zugerufen hast Bedenke dass ihr sterben müsst auf das ihr klug werdet.
00:09:57: erst neun Jahre später Als du für mich und deine Schwester Auf deiner Weise anwesend warst als wir unsere mutte im sterben begleitet haben konnte ich dich hören und vor allem verstehen.
00:10:13: Und heute, bei meinen kleinen Toden wenn ich abends die Augen schließe und mich den Bildern überlasse, die tief in mir geborgen und lebendig bleiben kann ich schon ahnen was der Wechsel auf die andere Seite bedeuten mag.
00:10:29: dann verschmelzen Vergangenheit und Zukunft zu einer Melange.
00:10:34: Sein' und seien es gehen ineinander auf, bevor der Morgen solange er sich noch zeigen mag kündet von der Last- und der Lust des Lebens.
00:10:45: Und das A in Last wandelt sich Häufig genug zu einem U in Lust, wenn wir uns öffnen.
00:10:54: Unser Innern erzählen und das Lähmende don't remember Don't ask, don't tell In seine Schankenweisen.
00:11:03: Es sind die lebendigen Erinnerungen an dich Und die Last vor allem aber die Lust am Leben Die zu der nun abschließenden Hymne geführt haben Für uns alle Das Leben ein Klang
00:12:01: Das Leben, mein
00:12:02: Klang.
00:12:04: Und mitten drin mein Lied Still und kein Gesang Rhythmisch und pulsierend er Manchmal fließend Kurz im Takt aufwunder'n Und manchmal
00:12:20: zögern
00:12:21: Dohne dran Ein Klang Ganz dumpf Entweder all Die Höhen tiefen Kaum zu hören Wie ein sterres Stumpf, seinem Tremolo.
00:12:43: Wart und leise, gebiert sie dann den Text Dem das Leben tönt in vielen Farben jubilig Und vor dem Abgrund Der damenstufen glaubt sich heiter.
00:14:14: Raum für Raum erlaubt Die Schöne und Gnaden reich erst zu wachsen Und im Ende einer Ernte glei.
00:14:27: Ich werde jeder dann haben.
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